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Bautipps

Stromleitung / Stromkabel angebohrt: Was tun im Ernstfall?

Mein Freund, der Hausbesitzer in spe, von dem ich Euch bereits im Beitrag zur Kubaturberechnung berichtete, hat sich zur letzten Hausbesichtigung einen Elektriker mitgenommen. Viele Kaufinteressenten vergessen, neben der Heizung, der Wärmedämmung und dem Zustand der Sanitäranlagen auch die Elektroinstallationen in einem Haus prüfen zu lassen: Gibt es Anschlüsse oder Leitungen, die nicht fachgerecht gelegt wurden? Sind Steckdosen vereinzelt noch ungeerdet? Wurden Fehlerstromschutzschalter vorschriftsgemäß installiert?

Phasenprüfer wie dieser sollten nicht mehr verwendet werden, weil sie nicht zuverlässig sind. © Foto: Andreas Morlok / pixelio.de

Den Verlauf von Kabeln & Leitungen prüfen
Neben dem Zustand der Installationen sollte bei einer solchen Besichtigung auch der Verlauf der Stromleitungen in den einzelnen Räumen kontrolliert werden: Gibt es vielleicht Wände, bei denen Leitungen schräg verlegt wurden? Ausgerechnet in der Küche oder im Wohnzimmer? – Dann solltet Ihr Euch dies unbedingt gleich in einer Kopie des Grundrisses vermerken, um später beim Befestigen von (Wand-)Schränken, Regalen, Lampen oder Bildern keine böse Überraschung zu erleben.

Jeder Elektriker verfügt über einen Kabel- bzw. Leitungssucher, der unter Putz liegende Stromkabel erkennt. Es kostet allerdings auch kein Vermögen (um 50 Euro), sich so einen Helfer selbst zuzulegen. Er besteht aus einem Sender und einem Empfänger. Der Sender wird in eine stromführende Steckdose gesteckt und sendet dann über die Stromleitung ein Signal, dass der Empfänger überall wiederfindet, wo die Leitung in der Nähe ist.

Der Ernstfall: Leitungstreffer
Passiert es Euch beim Bohren dennoch einmal, dass Ihr eine Leitung trefft und beschädigt, dann stellt als erstes den Strom in dem betroffenen Raum oder Teilbereich ab. Ist die Sicherung von allein herausgesprungen, dann solltet Ihr sichergehen, dass sie niemand (Mitbewohner, Familienmitglieer ) aus Versehen wieder anstellt. Falls Ihr Wohnungs- oder Hausmieter seid, habt Ihr mit dem Leitungstreffer fremdes Eigentum beschädigt, denn die Stromleitungen gehören dem Vermieter. Ihr solltet ihn informieren. Er wird einen Elektriker schicken, der den Schaden behebt. Die Kosten für die Reparatur deckt Eure Haftpflichtversicherung.

Versicherungsschutz beachten
Gehört Euch die Stromleitung selbst, könnt Ihr versuchen, den Schaden selbst zu beheben. Aber seid gewarnt: Falls durch die reparierte Leitung ein Schaden entsteht (z.B. Kurzschluss und Brand), besteht nur dann ein Versicherungsschutz, wenn die Reparatur abschließend von einem Fachmann geprüft und abgenommen wurde (Abnahmeprotokoll).

Möglicher Ausweg: Abzweigdose installieren
Ein Fachmann verlegt Euch an der Schadstelle ein neues Leitungsstück. Als Laien könnt Ihr am ehesten eine Abzweigdose einsetzen, die mit Schraub- oder Federklemmdeckel verschließbar ist und später kaum auffällt. Die Dose wird genau dort eingesetzt, wo die Leitung beschädigt ist und dient quasi zur Überbrückung des unterbrochenen Abschnitts. Die Arbeitsschritte in Kürze:

  1. Mit Phasenprüfer sichergehen, dass kein Strom fließt.
  2. Schadstelle und beschädigte Leitung freilegen. Leitung mit Seitenschneider durchtrennen.
  3. Loch für Dose anzeichnen und vorbohren. Eine Bohrkrone verwenden.
  4. Probieren, ob die Dose in das Loch passt, und die Kabelenden einführen.
  5. Gips (Maschinen- oder Doppelbrandgips) anrühren, Bohrloch befeuchten und dann Gips aufbringen, damit die Dose befestigt werden kann. Auf Bündigkeit achten.
  6. Öffnung um die Dose herum zugipsen und verspachteln.
  7. Leitungsenden Ader für Ader mit Lüsterklemmen verbinden und Dose abdecken.

Wenn Ihr soweit seid, ist es Zeit, den Fachmann zu holen, der sich die Sache ansieht und Euch schriftlich abnimmt. Danach könnt Ihr guten Gewissens die Sicherung wiedereinschalten.

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