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Bautipps

Schwengelpumpe mit Brunnen selber bauen: Aufbau & Anschließen

Meine Freundin Bettina, die mit der Sanierung eines alten Bauernhauses wirklich mehr als genug zu tun hat, möchte jetzt unbedingt auch noch eine Handpumpe für den Garten haben. Eine Schwengelpumpe sei gut geeignet und wirklich leicht einzubauen, habe ihr der Nachbar erzählt. Dessen dunkelgrüne, gusseiserne Pumpe findet sie im Übrigen auch optisch sehr schön.

Was genau ist eine Schwengelpumpe?
Nun hat mich Bettina gefragt, ob ich mich nicht einmal erkundigen könnte, wie so ein Gerät eigentlich funktioniert? Vor dem Nachbarn will sie nicht ahnungslos dastehen. Also gut, sagte ich, weil wir ohnehin wissen wollen, ob so eine Pumpe auch etwas für unser Ferienhaus ist, höre ich mich um.

Das erste, was mir positiv auffiel, ist dass eine Schwengelpumpe tatsächlich stromlos funktioniert. So wie früher. Das Wasser wird mit dem Schwengel, einem einarmigen Hebel, vom Grund hochgepumpt. Innen sitzt meist eine Kolbenpumpe mit einem Kolben und einer Manschette als Abdichtung. Die Schwengelpumpe im Garten kann heute mit einer Elektropumpe kombiniert werden, es sei denn, Ihr wollt Euch bei der Wasserbeschaffung ein wenig zur sportlichen Betätigung zwingen.

Voraussetzungen zum Brunnenbau
Zuerst muss erkundet werden, ob ein Brunnenbau erlaubnispflichtig ist. Im Allgemeinen ist das Abzapfen von Grundwasser wasserrechtlich ohne Erlaubnis möglich, wenn das Wasser für Haushalt oder Hofbetrieb gebraucht wird, wenn Vieh außerhalb eines Hofbetriebs getränkt werden soll oder wenn geringe Mengen für andere, vorübergehende Zwecke gebraucht werden. Das kann aber regional eingeschränkt sein, auf jeden Fall muss der Brunnenbau der unteren Wasserbehörde angezeigt werden, die darüber dann Auskunft gibt.

Wenn Ihr das Wasser an Dritte abgeben wollt, ist der Brunnenbau immer erlaubnispflichtig. Alle Informationen rund um den Brunnenbau, auch zur Wassertiefe und zur Bodenbeschaffenheit, bekommt Ihr bei Eurer zuständigen kommunalen Behörde (meist die untere Wasserbehörde).

  • Vor der Bohrung müsst Ihr prüfen, ob sich im Bohrbereich Leitungen befinden, wenn Ihr eine Gasleitung anbohrt, kann das sehr gefährlich und sehr teuer werden. Ihr müsst auch sicher sein, dass auf Eurem Grundstück keinerlei Altablagerungen oder sonstige Schadstoffe existieren, die Schadstoffe ins Grundwasser abgeben könnten.
  • Vor dem Brunnenbau müsst Ihr auch wissen, wo die Grundwasserschicht beginnt und wie der Boden dort beschaffen ist. Der einfache Bau einer Schwengelpumpe ist nur möglich, wenn die Grundwasserschicht höher als 7 bis 8 Meter liegt und aus grobem Sand oder besser Kies besteht. All das erfahrt Ihr ebenfalls bei der kommunalen Behörde, z.B. beim Wasserwerk. Wenn das Grundwasser tiefer liegt, wird der Brunnenbau kompliziert. Die Förderhöhe darf nicht mehr als 8 Meter betragen. Helfen kann aber, dass viele Grundwasserschichten einen Eigendruck aufbauen.

Wenn Ihr zum Beispiel eine Grundwasserschicht habt, die erst in 9 Meter Tiefe beginnt, wird bis dorthin das Brunnenrohr eingebracht. Wenn der Eigendruck nun das Wasser bis 7 Meter im Rohr hochdrückt, ist die Förderhöhe (Abstand der Wasseroberfläche im Rohr bis zur Förderpumpe) auch nur 7 Meter. Ihr könnt also ganz normal die Schwengelpumpe einsetzen. Im Zweifel solltet Ihr Euch vor dem Brunnenbau vom Hersteller der Schwengelpumpe beraten lassen, er kann Euch sagen, was Euch im schlimmsten Fall für ein Aufwand erwartet.

© Foto: Holger Schönhaber / pixelio.de

Einen Brunnen selber bauen
Ihr braucht einen Erdbohrer, der in entsprechende Tiefen bohren kann. Wenn Ihr ein komplettes Schwengelpumpen-Set kauft, ist der passende Erdbohrer oft bereits enthalten. Die Alternative wäre, einen Erdbohrer zu leihen und sich die Schwengelpumpe entweder in Einzelteilen zusammenzustellen oder ein Set ohne Erdbohrer zu suchen. Hier heißt es Preise vergleichen.

  • Mit diesem Erdbohrer wird dann bis zur Wasser führenden Schicht gebohrt. Ihr müsst also so lange bohren, bis Ihr auf feuchten Boden/Grobkies stoßt. Der Bohrer muss dabei alle 2 bis 3 Umdrehungen herausgezogen werden, um die Erde zu entfernen, die sich in der Windung gesammelt hat und um den Bohrteller zu reinigen.

Das Ärgerlichste, das passieren könnte, ist ein Hindernis unter/vor dem Erdbohrer, das nicht weichen will. Einen Stein oder Ähnliches (liegt dort auch wirklich kein Rohr?) werdet Ihr mit einem handbetriebenen Erdbohrer nicht durchbohren. Manchmal bewegt sich der Stein von selbst weg, wenn man einige Male ansetzt. Manchmal ist er aber auch einfach zu groß, wenn Ihr den Erdbohrer mit Gewalt dreht, werdet Ihr ihn höchstens beschädigen. Deshalb müsst Ihr in diesem Fall – nach einem kleinen Wuttänzchen – in den sauren Apfel beißen und ein neues Loch bohren.

Die Schwengelpumpe einbauen & anschließen
Ein Schwengelpumpen-Set besteht aus folgenden Artikeln:

  • Erdbohrer: Spiralbohrer mit doppelter Wendel und zwei Schneiden, passende Verlängerungen, Griffstück, Schrauben mit Muttern
  • Brunnenbauset: Rammfilter mit Innentresse, Starkwand-Brunnenbaurohr, Brunnenbaumuffe, Schlagstück, Rückschlagventil
  • Zubehör: Rohrnippel 50cm lang, Bohr-Gestängehalter, Spülmuffe zum Gegenspülen Beschreibung, Hanf und Fermit zur Gewindedichtung
  • Die Sets sind in allen Teilen auf eine bestimmte Grundwassertiefe ausgelegt. Wenn das Loch bis in die Grundwasserschicht gebohrt ist, wird der untere Teil der Schwengelpumpe eingebaut:

    1. Rammfilter und Rohr in benötigter Länge werden zusammengeschraubt und abgedichtet.
    2. Dann wird ein Schlagkopf aufgeschraubt, mit dem das Rohr nun in den Boden getrieben wird. Das Rammen kann auch mit einer manuellen oder elektrischen Ramme erfolgen, das ist schonender für die Rohre. Der Rammfilter muss in eine bestimmte Tiefe im Grundwasser gebracht werden (je nach Modell, meist um 1 Meter), sonst würde die Pumpe Luft ziehen.
    3. Beim Verschrauben, Abdichten und Einschlagen solltet Ihr genau die Anleitung beachten, hier sind viele Einzelheiten für ein gut funktionierendes Ergebnis wichtig.
    4. Wenn alles sitzt, sollte das noch offene Rohr mit Spülmuffe und Gartenschlauch gereinigt werden, bevor das erste Brunnenwasser angezogen wird. Dadurch wird jede Verschmutzung von der Oberfläche der Filteröffnungen gespült. Ihr müsst aber darauf achten, dass das Wasser im Rohr nach unten versickert.
    5. Dann werden Pumpenstock und Schwengelpumpe angeschlossen. Nun heißt es: Wasser marsch! Beim Befüllen gibt es jedoch auch einiges zu beachten, Ihr müsst also die Anleitung zurate ziehen.

    Fazit
    Bettina wird also als erstes ihren Grundwasserspiegel und die Rechtslage erkunden, bevor sie sich weiter Gedanken über eine Schwengelpumpe macht. Aber verlockend ist das schon, Wasser ganz umsonst!

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