// Du liest ...

Allgemein

Ruhezeiten: Wann ist Lärm am Samstag & Sonntag erlaubt?

Meine Freundin hat neulich kräftigen Lärm gemacht, Sonntag Nachmittag. Montagmorgen sollte der Container abgeholt werden, und die alten Badezimmerfliesen waren noch nicht drin. Die hat sie von oben aus dem Fenster geschmissen, viele Male KRABUMMM! Als eine Nachbarin klingelte und darum bat, dass meine Freundin doch die Ruhezeiten einhalten solle, hat sie sie angeschnauzt, man könne ja nachmittags um halb fünf wohl nicht von Ruhezeit sprechen. Die Nachbarin war anderer Meinung, die Diskussion ging eine Weile hin und her.

Lärm als rechtliches Problem
Jetzt hat meine Freundin erfahren, dass die Nachbarin in einer Bäckerei arbeitet, wo sie teilweise auch sonntags von morgens bis mittags arbeitet, dann kommt sie ziemlich geschafft nach Hause und schläft. Sie hat jetzt ein ganz schlechtes Gewissen und hat mich gefragt, wie das mit dem Lärmschutz denn nun eigentlich sei:

1. Die rechtliche Beurteilung von Lärm ist insgesamt nicht unkompliziert: Es gibt in Deutschland kein allgemeines Gesetz, das den Bürger vor Lärm schützt. Wenn es mit Lärm Probleme gibt, müssen deshalb viele rechtliche Vorschriften aus den verschiedensten Rechtsgebieten beachtet werden. Für verschiedene Lärmquellen wurden verschiedene rechtliche Festlegungen zur Emissions- und Immissionsbegrenzung geschaffen, für einige Lärmquellen sind jedoch längst nicht alle Problemfälle geregelt, für manche Lärmquellen gibt es gar keine Regelungen.

  1. Der so genannte Nachbarschaftslärm ist jeder Lärm, mit dem Privatpersonen in der Nachbarschaft uns stören oder belästigen. Zu diesen häufig konfliktverursachenden Immissionen gehören der Radiolärm und die wilde Party, die Heimwerkerarbeiten in Wohnung und Garten, aber auch die privat auf der Baustelle durchgeführten Arbeiten. Bundeseinheitliche gesetzliche Regelungen, die sich mit dem Schutz vor Nachbarschaftslärm beschäftigen, gibt es nicht.
    Die einschlägigen Bestimmungen finden sich in den Landesimmissionsschutzgesetzen der Bundesländer und in den Lärmschutzverordnungen, die Städte oder Gemeinden erlassen haben. Für Berlin legt z. B. das LImSchG Bln in § 4 fest, dass es an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen verboten ist, Lärm zu verursachen, durch den jemand in seiner Ruhe erheblich gestört wird. Das ist ziemlich unpräzise, deshalb wird in § 2 der Berliner Lärmschutzverordnung etwas genauer formuliert: “An Werktagen von 6.00 bis 7.00 Uhr und von 20.00 bis 22.00 Uhr sowie an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen ist es verboten, Lärm zu verursachen, durch den andere Personen in ihrer Ruhe objektiv unzumutbar gestört werden können.”

Lärm und Ruhe aus physiologischer Sicht
Wann ein Lärm andere Personen objektiv unzumutbar stören kann, ist dann immer noch unklar, denn Lärm kann nicht mit physikalischen Messverfahren erfasst werden. Lärm ist, was der Gestörte als Lärm empfindet, allerdings innerhalb nachvollziehbarer Vorgaben:

  1. Messen kann man nämlich die physikalischen Eigenschaften von Geräuschen, etwa den Schalldruck und das Geräuschspektrum. So wird auch der Schalldruckpegel in Dezibel (dB(A)) zur Beurteilung einer Geräuschbelastung herangezogen. Werte aus anderen Rechtsgebieten geben einen Anhaltspunkt, wann von objektiv unzumutbarem Lärm gesprochen werden kann.
    Im Städtebau werden nachts Höchstwerte zwischen 35 und 45 Dezibel vorgeschrieben, auch gewerberechtliche Bestimmungen gehen von einer Höchstbelastung von 35 Dezibel im reinen Wohngebiet aus. Wenn ein Mensch sich ruhig unterhält, verursacht das in einem Meter Abstand einen Schalldruck von ca. 50 Dezibel, der Fernseher auf Zimmerlautstärke schallt mit rund 60 Dezibel (natürlich nicht beim Nachbarn). Aber aus diesen Anhaltspunkten könnt Ihr leicht entnehmen, dass an einem Sonntag nicht viel Geräusch erlaubt sein wird.
  2. Wenn sich ein Nachbar wehrt, ist das durchaus verständlich, denn vielleicht bedroht der Lärm seine Gesundheit. Lärm wirkt nicht nur auf unsere Ohren ein, sondern kann auch krankmachen. Er kann zum Beispiel das Krankheitsrisiko erhöhen, wenn er ständig den Schlaf oder die Erholung stört, er kann auch spürbar das Herz-Kreislaufsystem belasten, nachhaltige gesundheitliche Schäden sind bei dauerhafter Lärmbelästigung wahrscheinlich.
    Dabei ist es leider auch noch so, dass der Lärm, den ein Nachbar in einer ruhigen Umgebung wahrnimmt, ihn stärker stresst, als wenn er am Arbeitsplatz höheren Lärmpegeln ausgesetzt ist. Diese stärkere körperliche Stressreaktion ist nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen sogar unabhängig davon, ob der Nachbar den Lärm subjektiv als störend empfindet oder gut gelaunt hinnimmt. Die Deutschen empfinden Lärm übrigens als störendste Umweltbeeinträchtigung, das hat gerade eine Bevölkerungsumfrage ergeben.

Ruhe bewahren
Es gibt viele weitere Regelungen, die auch Nachbarschaftslärm regeln können, von der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung über das Ordnungswidrigkeitengesetz bis zur Hausordnung. Wie auch immer, meine Freundin hat völlig zu Recht ein schlechtes Gewissen gehabt. Sie hat jetzt Folgendes gemacht: Sie hat eine Flasche ihres köstlichen Brombeerlikörs schön verpackt (einen Kuchen zu backen hat sie sich nicht getraut für eine Bäckerin, aber den Likör kann diese auch wunderbar zum Backen verwenden) und eine handschriftliche Entschuldigung angehängt. Damit ist sie zur Nachbarin gegangen (nicht mittags, wenn die schlafen könnte), hat ihr die Flasche in die Hand gedrückt und ihr versichert, dass so etwas nie wieder vorkomme. So ist Frieden eingekehrt.

Leider noch keine weiteren Beiträge zu diesem Thema

Eure Kommentare

Leider keine Kommentare.

Post a comment